Es geht weiter in Richtung Ziel. Die heutige Etappe führte die Cosmic Challengers von Ponte di Legno in Richtung Malè. In Ihrem Tagebuch schreiben sowohl das eine Team mit Manuela und Rafael sowie das andere mit Daniel und Nico von Ihren täglichen Erlebnissen.
Manuela und Rafael:
Heute ging es für uns von Ponte di Legno aus in Richtung Malè. Insgesamt lagen bei dieser 6. Etappe 72,61km und 2363hm vor uns. Wie gestern auch bereits war die Strecke von Schotter und felsigem Gestein übersäht, was die Abfahrten erneut erschwerten. Zudem war wieder die richtige Reifenwahl gefragt, denn an fast jeder zweiten Ecke sah man Teams mit Pannen. Zum Glück blieben wir davon heute verschont.
Wie an den Tagen zuvor hiess es auch auf dieser Etappe direkt nach dem Start erst einmal wieder: Berg hochfahren. Dieser Anstieg war zwar von der Steigung her fahrbar, dennoch mussten wir aufgrund der vor uns her fahrenden Biker öfter vom Rad. Auch auf einer kleinen Zwischenabfahrt war das fahren zwar möglich, dennoch kamen wir leider nur langsam voran.
Nach ca. 18km kamen wir auf dem Gipfel an und hatten damit auch bereits die ersten 1200hm hinter uns (quasi die Hälfte :-) ) Auf den anschliessenden 20km kamen wir dann eine Abfahrt, die aber immer wieder von kleineren Rampen (100-200hm Differenz) unterbrochen war. Diese Abfahrt war im oberen Bereich eigentlich ein sehr schöner Trail, aber wie bereits vorhin erwähnt, kamen einige der vor uns fahrenden Biker damit leider nicht zurecht und wir mussten öfter warten. Überholen war an dieser Stelle leider nicht möglich, da der Trail zum Einen zu schmal war und zum Anderen lag direkt rechts des Trails der Abhang des Berges, somit „traute" sich hier auch keiner zu überholen. Somit konnten wir uns erstmal ausruhen und auch einmal etwas die schöne Landschaft oberhalb der Baumgrenze auf knapp 2200hm geniessen.
Nach 43km kamen wir zum letzten richtgen Anstieg für heute. Hier mussten wir nochmals ca. 250hm bewältigen bevor wir auf die anschliessende Abfahrt in Richtung Dimaro kamen. Hier sah man an fast jeder zweiten Ecke Teams mit Defekten stehen, sei es mit Kettenriss (vom falschen Schalten an den kleinen aber feinen Rampen) oder hauptsächlich platten Reifen. Die Abfahrten forderten somit einiges an Material aber zum Glück kamen wir hier heute heil durch. Auf den letzten 10km bis zum Ziel mussten wir erneut einen kleinen Hügel mit ungefähr 100hm fahren. Hier mussten wir dann teilweise etwas beissen, aber das war kein Problem, bevor wir anschliessend auf den letzten 5km mit Windschattenfahren in Richtung Ziel loslegen konnten. Vor allem Rafael legte sich hier ziemlich ins Zeug und setzte sich des öfteren auch an die spitze unserer kleinen Gruppe von ca. 5-7 Leuten. Er legte dabei ein solches Tempo vor, dass die mitfahrenden anderen Teams im Ziel sogar lobend auf ihn zukamen und sich für das „Tempo machen" bedankten.
Unsere Zeit war heute 05:12 Stunden. Wir belegten damit den 25. Platz in der Mixed-Wertung. So langsam scheint sich unserer Position hier einzupendeln, denn das ist auch genau der Platz, auf dem wir derzeit in der Gesamtwertung zu finden sind.
Morgen geht’s für uns nun auf die siebte und vorletzte Etappe von Malè weiter in Richtung Madonna di Campiglio. Es wird mit 47km zwar die kürzeste Etappe der diesjährigen Transalp sein, dennoch hat sie insgesamt über 2300hm zu bieten. Daher wissen wir jetzt schon, dass uns eine recht kräfteraubende „Berg-Etappe" bevor steht.
Daniel und Nico:
Nach der gestrigen Mammut-Etappe ging es heute über 73km und 2363 Höhenmeter nach Male. Um 6 Uhr wurden bereits unsere Taschen abgeholt – das bedeutete 6 Stunden Schlaf. Aber wir waren trotzdem motiviert, nach der Leistung von gestern können wir sehr zufrieden sein. Die 10km Abfahrt ab unserem Hotel von Passo del Tonale, das im Sommer ziemlich verlassen ist, nach Ponte di Legno waren sehr spaßig, so muss ein guter Biketag anfangen. Am Start/Ziel Bereich angekommen das tägliche Prozedere: High5 Stand aufsuchen um Gels zu kaufen, letzter WC-Gang und der Kampf um die Startplätze. Leider starten wir wieder aus Block C.
Fällt der Startschuss kann man sich dann ganz gemütlich anziehen, bis Block C startet vergehen dann mal 2-3min. Ohne große Umwege ging es heute direkt in den ersten Berg, 1200 Höhenmeter über einen Wanderweg, welcher zum Großteil nur eine fahrbare Spur hatte. Erstaunlicherweise waren unsere Bein ganz gut, wir arbeiteten uns Platz um Platz nach vorne. Es macht einfach riesig Laune wenn es nach vorne geht und man Druck auf dem Pedal hat. Allerdings vergisst man vor lauter Ehrgeiz, dass man doch über 4 Stunden im Sattel sitzt. Denn oben angekommen ging es direkt in einen Singletrail welcher Konzentration und Kraft im Stehen forderte… Also werden Riegel und Gel eingeworfen während der Fahrt in der Hoffnung nicht rechts den Abhang runter zu stürzen. Dann noch schnell Iso Trink einwerfen und nach 5min geht langsam die Konzentration wieder aufwärts. Die restliche Strecke bestand aus Anstiegen mit etwa 400 Höhenmeter, teilweise Wanderwege, teilweise wunderschöne flowige Singletrails. Der Tag war einfach toll, super Strecke und tolles Wetter. Wir starten immer mit 2 x 700ml vollen Trinkflaschen und kamen mit den Verpflegungsstationen ganz gut klar. Doch heute waren wir nach dem ersten Anstieg sehr gut platziert und weit vorne, so dass wir weder die Landschaft um uns gesehen haben, Bilder unterwegs machen konnten und die letzte Verpflegungsstation komplett ausgelassen haben. Nach der 15km Abfahrt kam nämlich der letzte Teil nach Male: 15km leichte abfallende Bolzerstecke auf Teer. Teilweise Radwege, teilweise Straße mit kleinen Rampen im Zielort. Zu diesem Zeitpunkt müssten wir um die Top70 gelegen haben und waren mit einem Team aus Italien auf Windschattenfahren gut bedient. Bis dann diese verdammte 4cm Glasscherbe Nicos Reifen aufschlitzte, der hinten tubeless fährt mit Schwalbe docblue Milch. Das Loch war aber so groß, dass die Flüssigkeit nichts abgedichtet hat. Nico wollte es erst nicht glauben, bis dann bei 50km/h das Hinterrad komplett die Luft verlor.
Anhalten, Laufrad raus, Nico entfernte das tubeless Ventil, Daniel bereitete Schlauch und CO²-Patrone vor, Scherbe suchen und entfernen, Schlauch rein, Patrone schießen und Laufrad rein. In der Summe dauerte es dann aber doch 2-3min und geschätzte 30 Fahrer später waren wir erst wieder auf dem Bike. Das war der zweite Platten innerhalb den 6. Transalpetappen.
Voller Wut im Bauch versuchten wir im Alleingang an die zwei großen Gruppen, die uns überholt hatten, ranzufahren. Mit Gegenwind bei über 50km/h und Puls Anschlag 180 nach über 4 Stunden Fahrt keine einfache Gelegenheit. Wir kämpften bis zum Ziel, die letzten 2 Rampen im Wiegetritt übersprintet, doch unsere gute Platzierung war weg. Platz 92 nach 4:30h. Wir sind superhappy darüber und freuen uns auf die letzten beiden verbleibenden Etappen, morgen nach Madonna und am Samstag die letzte Etappe nach Riva. Einerseits ist es wirklich eine Schinderei, jeden Tag am Limit zu fahren, andererseits ist es einfach traumhaft, den schönsten Sport mit den tollsten Landschaften und Strecken zu erleben.































