Die letzte Etappe ist erreicht mit nur einem Ziel vor Augen: Riva. In Ihrem Tagebuch schreiben sowohl das eine Team mit Manuela und Rafael sowie das andere mit Daniel und Nico von Ihren täglichen Erlebnissen.
Manuela und Rafael:
Endlich – wir sind in Riva angekommen!!! Nach insgesamt 41:49.15 Stunden Fahrtzeit haben wir die diesjährige Craft Bike Transalp mit insgesamt 605,53km und 19926hm geschafft! :-)
Der Morgen fing an, wie die letzten 7 Tage auch. Pünktlich um 6 Uhr klingelte der Wecker und wir schalteten ihn erst einmal wieder aus, um noch einige Minuten weiter zu schlafen ;-) Nach 7 Etappe merkt man die Müdigkeit des Körpers doch deutlich, aber es nützte nichts und wir mussten kurz drauf doch aufstehen, immerhin ging es heute zur letzten Etappe auf an den
Gardasee. Nach dem Frühstück fuhren wir mit unserer Betreuerin Liz nach Madonna und trafen hier dann noch Manuela’s Eltern, die gestern extra aus dem Saarland angereist waren, um uns auf den letzten beiden Etappen noch zu überraschen und anzufeuern.
Los ging es erneut um 9Uhr. Die Startphase war dieses Mal über die ersten knapp 12km neutralisiert, da es zunächst nur bergab ging und es bei 1100 Startern viel zu gefährlich wäre, all die Fahrer von Beginn an los rasen zu lassen. Das hiess für uns, dass es in einem einigermassen lockeren Tempo zunächst nur bergab ging und man einfach „mit dem Strom mit rollte“. Durch
die lange Abfahrt konnte wurden die Beine (sowie der Rest des Körpers) natürlich erst einmal wieder kalt, da die Temperaturen an diesem Morgen noch nicht sonderlich hoch waren. Aber nach knapp 12km änderte sich das direkt, da hier der erste Anstieg für heute anstand.
Auf ca. 12km mussten wir 1000hm (von den heutigen 1770) erklimmen. Dabei bekamen wir natürlich direkt warm. Die Beine waren bei Manuela heute auch wieder deutlich besser als gestern, sodass wir nicht all zu viele Plätze verloren. Im oberen Bereich des Berges stiegen immer mehr und mehr Fahrer von ihrem Rad ab, um zu schieben. Die Steigung näherte sich hierbei schon fast der 25-30% Marke. Wir versuchten hier soweit es ging auf dem Rad zu bleiben und konnten im oberen Teil noch einige Leute überholen. Aber leider mussten wir auch kurz drauf vom Radfahren aufs Radschieben umsteigen, da wir durch die schiebenden Leute nicht mehr die Ideallinie fahren konnte. Das
machte aber nicht viel aus, da kurz vor der Kuppe auch erneut eine Steinpassage kam, die nicht mehr fahrbar war. Die Abfahrt die sich anschloss war einfach nur traumhaft. Erst ging es über
Schotter, danach schloss sich eine Serpentinen-Abfahrt auf Teer an. Speziell Rafael machte diese Abfahrt einen mega Spass und er liess es ordentlich krachen und überholte immer mehr voranfahrende Gruppen. Manuela folgte ihm kurz drauf, konnte allerdings leider nicht so schnell abfahren wie Rafael und somit musste er unten noch kurz warten bevor es weiter ging. Auf den nächsten Kilometern war wieder Windschattenfahren angesagt. Wir konnten hier eine gute Gruppe finden und blieben so gut es ging zusammen. Auf kleineren Anstiegen zerfiel sie zwar immer kurz, aber sobald es wieder flacher wurde, konnten alle wieder gemeinsam ein recht gutes Tempo aufnehmen. Nach 61km kündigte sich dann schon so langsam ein von Uli Stanciu angekündigte „Gardasee-Trail“ an. Der Gardasee ist berühmt und berüchtigt für seine technisch schwierigen Abfahrten und Teilnehmer, die die Transalp schon aus den Vorjahren kannten, wussten, dass dies in vielen Fällen nur Schieben Schieben und Schieben bedeutet. Dies war auch bei uns so, denn zunächst ging es eine nicht fahrbare Rampe von knapp 1km im Wald hoch. Dieser Trail war nicht aufgrund seiner Steigung „nicht fahrbar“ sondern vielmehr wegen des Untergrundes (lockerer Boden)
sowie wegen den Zahlreichen kleineren Felsbrocken und Wurzeln die kein gleichmässigen Fahren zugelassen hätten. Den ganzen Weg hinauf freuten wir uns schon auf die Abfahrt, da wir doch zuversichtlich waren, dass wir diese vielleicht grösstenteils fahren können. Manuela versuchte dies auch im oberen Bereich, kam allerdings nicht sonderlich weit, bis ihr ein Stein im Weg lag und sie zum leichten „Bodenkontakt“ zwang. Aber zum Glück war hier
nicht viel passiert und von da an hatte sie wohl etwas zu viel Respekt vor dem Trail und schon ihn sicherheitshalber wie auch die anderen Teilnehmer fast komplett bergab. Rafael war im hier im Schieben etwas schneller und konnte im unteren Teil sogar auch wieder ein Stück fahren, musste dann aber doch noch auf die „schiebende Manu“ warten bis es auf die letzten Kilometer zum See ging. Den Gardasee konnten wir von diesem Punkt aus sogar schon sehen und laut Kilometeranzeige waren es auch nur noch knapp 4km. Von diesem Punkt an ging es nur noch auf Schotter und Teer bergab. Unten in Riva angekommen, drehten
wir erst noch eine kleine Runde über die Hauptverkehrsstrassen. Die abgestellten Polizisten sicherten uns hierbei freie Fahrt und hielten immer wieder die Autos an, sobald die nächsten Radfahrer in Sicht kamen. Nach insgesamt 04:21.32 Stunden kamen wir dann heil und sicher im Ziel an. Es wäre gewiss auch eine schnellere Zeit drin gewesen, aber speziell auf dem letzten Trailstück wollten wir nichts riskieren und lieber ohne Verletzungen durchkommen.
Im Tagesergebnis bedeutete diese Zeit für uns den 30. Platz der
Mixed-Kategorie. Leider verschlechterten wir uns damit in der Gesamtwertung erneut um einen Platz, erreichten aber immerhin nach den 8 Tagen nun den 27. Rang in der Endwertung.
Echt Wahnsinn, diese Transalp! Wir sind froh, dass wir bei diesem Erlebnis dabei sein durften und bedanken uns nochmals recht herzlich bei allen Sponsoren Cosmic Sports, Marzocchi, Crank Brothers und Knog. Vielen Dank!!! :-)
Daniel und Nico:
Bevor wir mit dem Tagesablauf beginnen: Wir sind uns immer noch nicht bewusst, was da vor ein paar Stunden abging. Wir haben tatsächlich die letzte Etappe auf Platz 22 beendet. Einfach der Wahnsinn! Aber der Reihe nach…
Heute war es soweit: Der letzte Tag, die letzte Etappe, das letzte Mal um 6Uhr aufstehen und direkt ins Trikot. Das letzte Mal die Transalptasche packen, das letzte Mal Gels und Riegel portionieren, das letzte Mal Getränke anrühren, das letzte Mal 3-Schicht-Ölung anwenden (Pferdesalbe, Sixtus Active Creme, Sixtus Startöl), das letzte Mal im Stress pünktlich zum Start zu kommen, das letzte Mal aufs Bike für diese Woche.
Doch erstmal müssen wir nochmal ein Wort zu unserem Hotel verlieren: Noch nie haben wir so gut geschlafen, die Betten waren ein Traum. Das moderne Ambiente lässt einen in eine andere Welt abtauchen – als wir dann zum Frühstück den offen angelegten, im modernen Holz-Fachwerk, Speisesaal betraten, trauten wir unseren Augen nicht. Die gigantische Auswahl an Essen, von Lachs, leckerstem Käse und Schinken über 5 verschiedene Kuchen und Torten bis zu Müslivarianten, die uns zuvor unbekannt waren. Obwohl wir endlich in Startblock B waren nach unserem Gesamtrang 95 nach Etappe 7, haben wir während dem Frühstück beschlossen, dass wir auf eine gute Startposition verzichten und lieber das Frühstück in vollen Zügen genießen. So sind wir erst 30min vor dem Start in die Startaufstellung gekommen, allerdings war das nebensächlich. Wir hatten das Beste Frühstück überhaupt – Essen ist neben biken doch das Schönste auf der Welt (und ein, zwei anderen Dingen).
Die Etappe begann mit einer 12km langen Abfahrt, welche im neutralisierten Start bewältigt werden musste. Wäre die Abfahrt frei gewesen, hätte es Tote und Verletzte gegeben, da selbst auf Platz 200 ein hohes Risiko eingegangen wird beim Überholen in der Gruppe von 1100 Starter zu stürzen.
Nach der Abfahrt ging es direkt in den ersten und längsten Anstieg, die Beine waren im Einstieg bleischwer, da die 12km Abfahrt bei 18°C wirklich alles abkühlte. Doch wir haben uns an das fast forward murnau Team (über die wir noch einen gesonderten Bericht machen möchten) angehängt und haben deren wahnsinniges Tempo versucht zu halten. Im Prinzip wendeten wir die gleiche Taktik wie gestern an: Von Anfang an Vollgas, alles auf eine Karte.
Die Beine waren schnell da, der Druck auf dem Pedal stimmte. Die Jungs zogen uns bis kurz vor den Gipfel, dass Tempo war wirklich klasse. Kurz vor dem Gipfel erreichten wir die Norgaard-Sisters (führendes Damenteam) und hatten bereits eine super Position vor der Abfahrt. Es folgten ein flaches Verbindungsstück auf der Straße und ein paar Wellen, die immer wieder unsere Gruppe von 15 Leuten sprengten. Kurz vor Riva erhob sich ein böser Anstieg, der zur Hälfte unfahrbar war. Das heißt rennen, rennen, rennen. Oben völlig fertig am Ende dieser Gruppe angekommen, versuchten wir nun in der Abfahrt zum Gardasee das Tempo mitzugehen. Der Trail war der Wahnsinn, voll am Anschlag heftigste Absätze, Felsen und Steine mit dem Hardtail bewältigen – typisch für den Gardasee. Das Bike hielt aber durch, bis auf die Kette, welche über die Kurbel sprang und sich festklemmte. Kurzer Stopp, völlig panisch die Kette wieder gerichtet und ab gings. Doch wir hatten weniger Probleme wie die Anderen in dieser Gruppe und konnten unsere Fahrtechnik ausspielen. Unten angekommen waren wir plötzlich alleine. Alleine vor Riva, alleine vor dieser Gruppe. Nun waren es noch 5km bis ins Ziel, über die Straßen durch Riva, welche nicht abgesperrt waren. Völlig am Anschlag haben wir sogar zwei weitere Teams vor uns geschnappt und haben im Zielsprint tatsächlich Platz 22 erreicht. Wenn man unsere Vorbereitung und den bisherigen Verlauf der Transalp sieht, können wir unglaublich glücklich sein. Und genau das sind wir nun auch und genießen das Wochenende am Gardasee! Wir haben uns jede Etappe gesteigert, von Platz 164 auf Etappe 1 bis zum Platz 22 auf Etappe 8. Einfach genial!































